Echoflöte

Rätselhaft: Bachs „Due Fiauti d‘ Echo“

Kaum zu glauben:  Es gibt tatsächlich ein neues (ganz altes?) Instrument am Blockflötenhimmel! Es hat eine etwas breitere und flachere Form, (ähnelt äußerlich auf den ersten Blick etwas der Harmonischen E-Blockflöte Elody) hat aber zwei Reihen Grifflöcher nebeneinander – und auch zwei sehr unterschiedliche Labien! Beim Spielen rutscht man mit den Lippen und den Fingern auf die dynamisch/klanglich jeweils benötigte Seite.

Echofloete

Sorry für meine sehr grobe Skizze…

Das berühmte Alte – Musik – Ensemble Concerto Köln stellte diese neuen zwei Flötlein in seiner aktuellen Einspielung der Brandenburgischen Konzerte im Herbst 2014 vor. Am besten gleich mal auf youtube anschauen und reinhören? Hier.

Wie kam es dazu?
Auf Initiative von Lorenzo Alpert, Fagottist des Ensembles, wurde diesmal besonders engagiert an Fragen zur Besetzung geforscht. Besonders die mysteriösen 2 „Fiauti d’Echo“, von Bach selbst neben der Geige als Solisten für das Konzert Nr. IV vorgeschrieben, beschäftigten die Musiker. So etwas gibt es – auch bei Bach – kein zweites mal. Sie sollen besonders im zweiten Satz zur Geltung kommen, wo sich Tuttipassagen mit Echos der Flöten abwechseln. Jahrzehntelang kursierten in der Musikwelt unterschiedliche Vorschläge, welche Instrumente Bach damit genau gemeint haben könnte? Vorschläge wie alleinige räumlich getrennte Aufstellung der Echos – oder auch der Einsatz von damals sehr beliebten französischen Flageolets für die Echostellen wurden jahrzehntelang probiert.

In der Inventarliste des Köthener Hofs finden sich zwei Echoflöten verzeichnet. Tatsächlich erhalten ist nur ein Instrument aus der Zeit, die Leipziger Doppelflöte im Grassi-Museum, Foto hier. Es besteht aus zwei mit waagerechten Stegen verbundenen Flöten. Ob es sich um eine solche Echoflöte handelt, kann niemand sagen. Es ist wegen der Sperrigkeit dieses Instrument aber nicht vorstellbar, dass die Spieler den virtuosen Part mit der Wechselei zwischen den beiden unterschiedlichen Teil-Instrumenten geschafft hätten.
Der Fagottist Lorenzo Alpert berichtet aus der Quellenlage: Tatsächlich gibt es mehrere Schilderungen zu Doppelflöten / Echoflöten aus historischen Werkstätten. „Erfinder“ könnte der Amsterdamer Michael Parent gewesen sein – dessen Witwe ihn nach seinem Tod dafür rühmt. Alpert fand in U. Prinz Schrift „J.S.Bachs Instrumentarium“ (Bd. 10 Schriften der Bachakademie Stuttgart, 2005, S. 205) auch die Reproduktion dieses schönen Kupferstichs aus einer Flötenwerkstatt im 17. Jahrhundert: Dort steht rechts unten tatsächlich ein ähnliches Instrument wie das nun aktuell gebaute: 

Der Pfeiffenmacher, Christoph Weigel; Quelle: Dt. Fotothek / Wiki Commons

Der Pfeiffenmacher. Christoph Weigel, 17. Jht; Quelle: Dt. Fotothek / Commons.wikimedia.org (Ausschnitt Buchseite)

Es sollte nun als Vorbild für die Rekonstruktion dienen. Die Blockflötistin Cordula Breuer fand nach akribischer Suche in Andreas Schöni, (CH), einen Flötenbauer, der bereit war, nach historischen Beschreibungen und Abbildungen ein bisher noch nie gesehenes Instrument zu kreieren.  Es besitzt sogar einen variabel einstellbaren Dämpfer im Labium! Dies und mehr darüber steht im Artikel von Sören Ingwersen, einschließlich Abbildungen aus Schönis Werkstatt.
Cordula Breuer und Wolfgang Dey spielen diese Instrumente auf der Einspielung des Concerto Köln zum ersten Mal auf dieser Welt. Spannendes Projekt!

 

 

 

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