Lieblingshefte 3: Französische Vögel

Zwei Notenhefte Vogelstücke für Blockflöten im grünen Gras Vögel können so schön singen – und wir Menschen tun es ihnen nach.

Zu allen Zeiten wurden unzählige „Vogelstücke“ komponiert, oft ganz schön virtuos, denn die kleinen gefiederten Sänger haben es ja schließlich drauf! Aus der Feder Francois Couperins (1668-1733) stammt  die Sammlung „Pieces de Clavicin,  Livre III“ mit vier Vogelstücken.
Der berühmte Carl Frederic Dolmetsch (1911-1997) hat  drei dieser Stücke für Blockflöten bearbeitet – sicherlich, weil Flöten den Vögeln doch viel ähnlicher klingen als Tasten. Diesem engagierten Flötisten, Blockflötenbauer und Pionier der damals schon so genannten „historischen Aufführungspraxis“ verdankt unsere Flötenszene viel: der  Kontakt mit ihm trug z.B.  ganz wesentlich dazu bei, dass der Gitarrenbauer Peter Harlan seine „deutsche Griffweise für Blockflöte“ in den 20ger Jahren des vorigen Jahrhunderts als Irrtum erkannte und zurücknehmen wollte. Mehr dazu unter „Deutsche Griffweise“ in diesem Blog hier.

Am besten gefällt mir Dolmetschs Flötenfassung dieser beiden Nummern:
1. Le Rossignol en Amour  – Die verliebte Nachtigall. UE 12563
Hat eine weiche, ohrwurmverdächtige Melodie, die sich gut mit Sopran oder Sopranino spielen lässt. Es macht Spaß, sie mit zig Verzierungen je nach Tagesform zu gestalten. Hier eine der vielen schönen Aufnahmen.

2. Les Fauvétes Plaintives – Die klagenden Grasmücken. UE12554
Besonders die Mönchsgrasmücke (kein Insekt, sondern ein Singvogel!) bezirzt mit edlem, flötig klarem Gesang. Ihr Lied diente vielleicht als Vorlage für Couperins Komposition?
Dolmetsch hat es erfreulicherweise für Trio AAT arrangiert – und ich mag es schon ewig. Alle drei Stimmen dürfen sich trillermäßig ins Zeug legen und dabei versuchen, traurig zu klingen. Leider fand ich keine Aufnahme auf youtube – aber vielleicht schaffen wir bald eine… Besonders fein kommt es mit 2 Altlöten in 415 daher, mit einer Voiceflute in der 3. Stimme. Die erste Stimme (wie Dolmetsch schreibt) eine Oktave höher mit Sopran/ino zu spielen, haben wir nicht probiert. Die drei Vögel singen ja auch in der Klavierfassung dicht beieinander.
Olivier Messiaen (1908 – 1992) widmete übrigens der eher aufgeregt plappernden Gartengrasmücke in „La Fauvette des Jardins“ (aus Catalogue des Oiseaux) Musik.
Und Rolf Liebermann (1910-1999) wird ein deutlich zwitscherndes Stück gleichen Titels zugeschrieben (1980), man kann es hier vom Saxophon hören.

Hier ein kleiner Eindruck von Couperins Noten ( Nachtigall links, Grasmückentrio rechts) und dann: Viel Spaß beim Ausprobieren!

 

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Flötenkonzert im Hof

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Heute der Bericht über ein ganz besonderes – wenn auch kleines – Konzert. Durch einen Mitspieler meines neuen Quartetts „Startupp“ entstand die Beziehung zu einem besonderen Wohnquartier: Hier wohnen viele Leute mit speziellen Anforderungen an ihre Umgebung. Dort haben wir uns gestern im Innenhof mit 10 kleinen Stücklein (aus den beiden Volksliederquartett – Heften vom Bornmann Verlag) den Hausbewohnern und ihren Gästen vorgestellt. Sie konnten aus den Fenstern gucken oder im Hof dabei sein. Es war für sämtliche Anwesende eine große Sache und riesige Freude. Am Schluss sangen wir ein Lied gemeinsam und mussten versprechen, spätestens im Advent wieder zu kommen. Machen wir unbedingt!
Im Anschluss schmeckte uns auch der Cocktail im benachbarten Restaurant.

Lieblingshefte 2: Tango und Sammartini Concerto

notenheft Tango in Trouble - Blog Anne PapeTango in trouble  – gefundenes Fressen für ein ziemlich versiertes Quartett, Besetzung A-T-B-GB. Es ist erstmal Arbeit, die schnellen 16tel – Quintolen und Sextolen synchron zu bekommen, mit denen das Stück von Anfang an gespickt ist  – und die kleinen rhythmischen Details möchten auch sorgfältig koordiniert werden. Aber es lohnt sich! Bald entdeckt man  die witzig aufblitzenden Musik-Zitate – und dann machts nur noch Spaß!
Immer mehr stellt sich das Gefühl ein, in diesem Stück zuhause zu sein:  es lässt dann sehr viel Gestaltungsspielraum zu, auch spontan während des Konzerts.
Eine gelungene Mischung von Virtuosität und Schnulze. Herrlich! (Übrigens entstand das üppig bunte Titelbild erst mehr versehentlich durch meine Dekoblumen & ihren Schatten, also nicht wundern, wenn das Heft dann eher dunkel-gedeckt daher kommt…)
(Piet Swerts, Tango in trouble, Zodiac Editions, ZEREC02, Partitur mit Stimmen)

Notenheft Sammartini Concerto in F für Blockflöten - Blog Anne PapeSammartinis berühmtes Solokonzert in F für Sopranblockflöte und Orchester – hier also gleich komplett für Blockflöten arrangiert.  Es muss halt jemand das brillante Sopran-Solo nach Vivaldi – Art übernehmen ;),  dazu kommen als Tutti ATTB bzw. ATBB. Sehr schön klingt noch ein Subbass dazu.
Das Concerto ist mit allen drei Sätzen gut zu schaffen für Blockflötenorchester, klingt  klasse und lohnend.  Mal ein „richiges“ Concerto zu spielen, machte viel Spaß.
Wir haben den zweiten Satz solistisch besetzt, dann wirkt er noch anrührender.
Das Werk bleibt in dieser Bearbeitung in Originaltonart F-Dur und ungekürzt. Das ist sehr löblich!

Giuseppe Sammartini, Concerto in F, Edition Tre Fontane 2036,
Partitur mit  e i n e m  Stimmensatz.

Lieblingshefte Teil 1 – Filmschlager & Volkslieder

Heute der erste Beitrag in meiner neuen Reihe „Lieblingshefte“. Wenn der Schwierigkeitsgrad zum Ensemble passt (nicht zu leicht!!! aber auch nicht allzu viel zu schwer) und wenn dann noch der Satz so gelungen klingt, dass er den Spieler/innen beim ersten Ausprobieren bereits Lust auf mehr macht – dann kann ein Heft richtig zum Highlight werden!
Die beiden heutigen Hefte liegen mal abseits des edlen Renaissance- und Barockrepertoires und machen besonders Erwachsenen Spaß:

Lieblingsheft Nr 1:  „4 machen Musik“,  Film – Schlager der 30ger Jahre,
damals zum Hit gemacht von Zarah Leander, Marlene Dietrich, Willi Fritsch und anderen. Jetzt wieder aktuell und von diversen Instrumentalbesetzungen  gespielt. Aus dem Inhalt: Frauen sind keine Engel, Ich wollt ich wär ein Huhn, Nur nicht aus Liebe weinen, Wir machen Musik u.a.
Die Sätze sind an sich nicht schwer, ihnen aber die richtigen Gewürze zuzufügen – also je nach Text etwas mehr Pfeffer oder mehr Schmalz – erfordert dann doch Witz und Souveränität am Instrument. Wir experimentieren auch mit der „tiefen Besetzung“: Tenor, Bass, Großbass, Subbass). Es macht Riesenspaß! Die ganz Jungen kennen die Lieder zwar oft nicht (noch nicht oder nicht mehr?), aber bekommen durch die schwelgenden Gesangszitate der Älteren schnell mit, dass es hier um etwas Besonderes geht….
Wir spielen die Stücke im Orchester, haben dazu die Notenhefte mit je 4 Stimmen 4x angeschafft. Die Stimmen gäbe es leider nur als komplette Sätze nachzukaufen, von jeder Stimme also je eins – und der Satz kostet fast so viel, wie das komplette Heft  m i t  Stimmen. Da bleiben Wünsche an den Verlag heinrichshofen & noetzel offen, der leider die Besetzungspraxis in Blockflötenorchestern nicht berücksichtigt: Sopranstimmen bleiben übrig – aber u.a. der Subbass (zusätzlich zu den Bässen)  muss sich notgedrungen mit der blättertechnisch schwierigen Partitur abplagen…..

Lieblingshefte Nr. 2  „Deutsche Volkslieder“,  2 Bände, Bornmann MVB 112 und 113
Pro Band erwarten uns 21 Lieder aus ca fünf Jahrhunderten. Johannes Bornmann hat sie mit gewohntem Gefühl für Flötenklang klasse für Quartett SATB gesetzt. Er schickt dabei  netter Weise auch die Sopranflöte nie in die allerobersten Lagen. Wenn man möchte, könnte man diese Stimme also auch mit oktavierender Altflöte spielen.
Die Zusammenstellung ist herrlich bunt: Von „Innsbruck ich muss dich lassen (15. Jh.) über Klassiker wie Mozarts Komm lieber Mai... und Trinkliedern wie Gaudeamus igitur bis zu den Volksliedern der Romantik, die mit so schönen Melodien wie Guten Abend, gut‘ Nacht oder Waldeslust bestechen: Auch witzige neuere Lieder wie Bolle reiste jüngst zu Pfingsten (gefällt mir als Berlinerin besonders 😉 und Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren sind im Heft.
Diese zwei türkisfarbenen Hefte tragen gerade enorm dazu bei, dass ein Quartett von leicht fortgeschrittenen Erwachsenen sich mit großer Leidenschaft erstmals mit Ensemble – Tugenden auseinandersetzen kann. Die doch recht bekannten Melodien helfen, eine Klangvorstellung zu entwickeln und erleichtern den musikalischen Kontakt ebenso wie das neue Bassschlüssel – Lesen.
Übrigens: Wir haben die Lieder beider Bände durchlaufend von 1 – 42 nummeriert – dann entfällt die ständige Frage „In welchem Band ist das?“
Viel Spaß beim Musizieren – bis zum nächsten Mal.

Ganassi Altblockflöte in G liegt auf noten von Dowland

Altblockflöte in G nach Ganassi

Silvestro Ganassi lebte im 16. Jahrhundert als Hofmusikant in Venedig. Er war ein gesuchter Virtuose auf Flöte und Gambe – und schrieb für beide Instrumente Unterrichtswerke mit ausführlichen Diminutionsanleitungen. Das für die Flöten heißt: „La Fontegara – Schule des kunstvollen Flötenspiels….“ und ist nach wie vor eine bedeutende Unterlage zum historisch bewussten Musizieren. (Heute überall erhältlich). Besonders spannend: Neben den „etablierten“ Artikulationssilben „Te“, „Le“  und „Re“erwähnt er auch „Cha“ (spr.: ka) – somit also nicht mit der Spitze, sondern der Wurzel der Zunge.
Seine Flötengrifftabelle lässt darauf schließen, dass er deutlich über zwei Oktaven spielte, dazu allerdings Griffe benutzte, die auf unseren barocken Nachbauten nicht funktionieren. Der australische Flötenbauer Fred Morgan (vor wenigen Jahren verstorben) begann als erster mit der Nachkonstruktion einer solchen Flöte. Es gibt sie mittlerweile von vielen Flötenbauern als Sopran in C und Alt in G (tiefster Ton also nicht F!), oft auch in histortischen Stimmtonhöhen wie 460 hz

Ganassi Altblockflöte in G liegt auf noten von Dowland

Mein neuer G – Alt auf einem Blatt aus Dowlands praktikablem Notenbuch *)

Ganassiflöten klingen weich, warm und rund. Gerade den Altflöten in G bekommt die kürzere Mensur offenbar so richtig gut und ich finde, dass sie ganz besonders schön „singen“. Dafür lohnt sich die Mühe, sich die neuen Griffe draufzuschaffen. Meine sehr vereinfachte Grifftabelle zum Einstieg – mit einer Grundtonleiter und jeweils nur einem einzigen Griffvorschlag pro Note –  steht hier auf dem Blog bei den Grifftabellen. Intonieren kann man dann selbst – und ausführlichere gibts massenhaft im Netz.

Meine herrliche neue G – Altflöte, gebaut von Ralf Netsch und natürlich in Stockstadt gekauft – liegt auf dem Foto auf einem Abdruck eines Notenblatts von John Dowland. Der Mann dachte praktisch: Einzelstimmenblätter waren nicht nötig, denn die Consortspieler saßen im Kreis um einen runden Tisch, das Buch lag in der Mitte und jeder fand seine Stimme in bester Lage vor. Man sieht die fünf Melodiestimmen und die Lautentabulatur.

*) Dank an Johannes Bornmann für den Abdruck des Notenblatts in Heft MVB 112!

 

Stockstadt 2017 – der geliebte Imbiss

„Bauernimbiss“ für Musiker wieder da! Der seit zig Jahren gewohnte, von Stockstädter Bauern für uns spinnerte bunte Vögel liebevollst  eingerichtete Imbiss  war wieder da!! Juchhuh! Berühmte Größen wie unbekannte Spieler mampfen unterm Turnhallendach zufrieden still oder angeregt gesprächig ihre Würstchen und trinken „Gespritzten“ (oder Kaffee und Kuchen). Ja, so muss es sein!
Auch der Sound in der Halle erfüllte wieder die Erwartungen, wie man im Video hören kann. Hier zum Einstieg mal die großen rechteckigen Paetzoldbässe, die sich ständig weiterentwickeln. Im EBO (mehr hier auf der Seite) spielen wir sie natürlich auch seit 10 Jahren:

Über Neuigkeiten am Flötenhimmel, sowie über meine „Neulinge“ (bin begeistert!) schreibe ich nach Ende des Festivals hier auf die Seite.

Gemshörnchen

Gemshorn, spaßig dekoriert auf Teller mit Butter und Tomaten

Quasi Butterhörnchen (Alt – Gemshorn in F an Tomate und Petersilie)

Ob es sich nun um ein historisches Instrument handelt oder nicht, und ob es nun aus Kuh-, Ziegen oder Gemshörnern (dies ganz sicher nicht!) gebaut wird – fest steht:
Es klingt so weich, milchig, lieblich, wie kein anderes Instrument!

In einem Konzert mit Renaissancemusik  hörte ich Gemshörner zum ersten Mal. Als Sängerin in einem kleinen Ensemble stand ich witzigerweise mit auf der Bühne – aber hatte mit so einer Überraschung absolut nicht gerechnet: Die Instrumentalisten spielten ihre Ritornell zwischenrein auf diesen Hörnchen.
Ihr Klang hat mich sofort derart gerührt und begeistert, dass ich bald darauf ein eigenes Quartett anschaffen  m u s s t e.
Mittlerweile hat sich sogar noch ein Sopranino – Hörnchen dazu gesellen dürfen – da es gar so niedlich piepste.

gemshornquintett, instrumente auf Drahtgitter plaziert

Meine Gemshörner Sno-S-A-T-B

Bis zum ersten Auftritt braucht es allerdings für Laien wie Profis etwas Geduld und viel Einfühlungsvermögen: Die Natur formte schließlich jedes Instrument individuell. Beim ersten vierstimmigen Akkord kann es auch bei sorgfältig gebauten Instrumenten schon mal ganz schön schräg klingen – und dann geht die Arbeit los. Griffe müssen angepasst werden, evtl. benötigt man für die ein oder andere Tonart auch mal ein Stück Tesa auf dem Griffloch.
Hat jede/r dann Sicherheit für die Intonation seines Hörnchens entwickelt, und es tönt schön sauber, wird man vom Ergebnis allerdings wirklich reich belohnt. Es macht auch richtig Spaß, diesen kleinen krummen Hörnchen „gepflegte“ Musik zu entlocken.

Die Instrumente sind wie Blockflöten in C bzw. F gestimmt. Spielen kann man alles, was in den Tonumfang einer Oktave plus 1 Ton passt, überblasen geht nicht.  Darauf muss man achten, wenn man z.B. Renaissancemusik passend machen möchte.
Zum Glück gibt es auch spielfertige Musiksätze, hier sogar gratis  zum Downloaden. Witzige moderne Stücklein hat z.B. auch  A. Rosenheck komponiert: Music Box (Ursus Verlag).
Sehr viel mehr über Hörnchen und Noten erfährt man auf der Seite des Hörnchenbauers Rainer Schwarze