Lieblingshefte 2: Tango und Sammartini Concerto

notenheft Tango in Trouble - Blog Anne PapeTango in trouble  – gefundenes Fressen für ein ziemlich versiertes Quartett, Besetzung A-T-B-GB. Es ist erstmal Arbeit, die schnellen 16tel – Quintolen und Sextolen synchron zu bekommen, mit denen das Stück von Anfang an gespickt ist  – und die kleinen rhythmischen Details möchten auch sorgfältig koordiniert werden. Aber es lohnt sich! Bald entdeckt man  die witzig aufblitzenden Musik-Zitate – und dann machts nur noch Spaß!
Immer mehr stellt sich das Gefühl ein, in diesem Stück zuhause zu sein:  es lässt dann sehr viel Gestaltungsspielraum zu, auch spontan während des Konzerts.
Eine gelungene Mischung von Virtuosität und Schnulze. Herrlich! (Übrigens entstand das üppig bunte Titelbild erst mehr versehentlich durch meine Dekoblumen & ihren Schatten, also nicht wundern, wenn das Heft dann eher dunkel-gedeckt daher kommt…)
(Piet Swerts, Tango in trouble, Zodiac Editions, ZEREC02, Partitur mit Stimmen)

Notenheft Sammartini Concerto in F für Blockflöten - Blog Anne PapeSammartinis berühmtes Solokonzert in F für Sopranblockflöte und Orchester – hier also gleich komplett für Blockflöten arrangiert.  Es muss halt jemand das brillante Sopran-Solo nach Vivaldi – Art übernehmen ;),  dazu kommen als Tutti ATTB bzw. ATBB. Sehr schön klingt noch ein Subbass dazu.
Das Concerto ist mit allen drei Sätzen gut zu schaffen für Blockflötenorchester, klingt  klasse und lohnend.  Mal ein „richiges“ Concerto zu spielen, machte viel Spaß.
Wir haben den zweiten Satz solistisch besetzt, dann wirkt er noch anrührender.
Das Werk bleibt in dieser Bearbeitung in Originaltonart F-Dur und ungekürzt. Das ist sehr löblich!

Giuseppe Sammartini, Concerto in F, Edition Tre Fontane 2036,
Partitur mit  e i n e m  Stimmensatz.

Lieblingshefte Teil 1 – Filmschlager & Volkslieder

Heute der erste Beitrag in meiner neuen Reihe „Lieblingshefte“. Wenn der Schwierigkeitsgrad zum Ensemble passt (nicht zu leicht!!! aber auch nicht allzu viel zu schwer) und wenn dann noch der Satz so gelungen klingt, dass er den Spieler/innen beim ersten Ausprobieren bereits Lust auf mehr macht – dann kann ein Heft richtig zum Highlight werden!
Die beiden heutigen Hefte liegen mal abseits des edlen Renaissance- und Barockrepertoires und machen besonders Erwachsenen Spaß:

Lieblingsheft Nr 1:  „4 machen Musik“,  Film – Schlager der 30ger Jahre,
damals zum Hit gemacht von Zarah Leander, Marlene Dietrich, Willi Fritsch und anderen. Jetzt wieder aktuell und von diversen Instrumentalbesetzungen  gespielt. Aus dem Inhalt: Frauen sind keine Engel, Ich wollt ich wär ein Huhn, Nur nicht aus Liebe weinen, Wir machen Musik u.a.
Die Sätze sind an sich nicht schwer, ihnen aber die richtigen Gewürze zuzufügen – also je nach Text etwas mehr Pfeffer oder mehr Schmalz – erfordert dann doch Witz und Souveränität am Instrument. Wir experimentieren auch mit der „tiefen Besetzung“: Tenor, Bass, Großbass, Subbass). Es macht Riesenspaß! Die ganz Jungen kennen die Lieder zwar oft nicht (noch nicht oder nicht mehr?), aber bekommen durch die schwelgenden Gesangszitate der Älteren schnell mit, dass es hier um etwas Besonderes geht….
Wir spielen die Stücke im Orchester, haben dazu die Notenhefte mit je 4 Stimmen 4x angeschafft. Die Stimmen gäbe es leider nur als komplette Sätze nachzukaufen, von jeder Stimme also je eins – und der Satz kostet fast so viel, wie das komplette Heft  m i t  Stimmen. Da bleiben Wünsche an den Verlag heinrichshofen & noetzel offen, der leider die Besetzungspraxis in Blockflötenorchestern nicht berücksichtigt: Sopranstimmen bleiben übrig – aber u.a. der Subbass (zusätzlich zu den Bässen)  muss sich notgedrungen mit der blättertechnisch schwierigen Partitur abplagen…..

Lieblingshefte Nr. 2  „Deutsche Volkslieder“,  2 Bände, Bornmann MVB 112 und 113
Pro Band erwarten uns 21 Lieder aus ca fünf Jahrhunderten. Johannes Bornmann hat sie mit gewohntem Gefühl für Flötenklang klasse für Quartett SATB gesetzt. Er schickt dabei  netter Weise auch die Sopranflöte nie in die allerobersten Lagen. Wenn man möchte, könnte man diese Stimme also auch mit oktavierender Altflöte spielen.
Die Zusammenstellung ist herrlich bunt: Von „Innsbruck ich muss dich lassen (15. Jh.) über Klassiker wie Mozarts Komm lieber Mai... und Trinkliedern wie Gaudeamus igitur bis zu den Volksliedern der Romantik, die mit so schönen Melodien wie Guten Abend, gut‘ Nacht oder Waldeslust bestechen: Auch witzige neuere Lieder wie Bolle reiste jüngst zu Pfingsten (gefällt mir als Berlinerin besonders 😉 und Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren sind im Heft.
Diese zwei türkisfarbenen Hefte tragen gerade enorm dazu bei, dass ein Quartett von leicht fortgeschrittenen Erwachsenen sich mit großer Leidenschaft erstmals mit Ensemble – Tugenden auseinandersetzen kann. Die doch recht bekannten Melodien helfen, eine Klangvorstellung zu entwickeln und erleichtern den musikalischen Kontakt ebenso wie das neue Bassschlüssel – Lesen.
Übrigens: Wir haben die Lieder beider Bände durchlaufend von 1 – 42 nummeriert – dann entfällt die ständige Frage „In welchem Band ist das?“
Viel Spaß beim Musizieren – bis zum nächsten Mal.

Ganassi Altblockflöte in G liegt auf noten von Dowland

Altblockflöte in G nach Ganassi

Silvestro Ganassi lebte im 16. Jahrhundert als Hofmusikant in Venedig. Er war ein gesuchter Virtuose auf Flöte und Gambe – und schrieb für beide Instrumente Unterrichtswerke mit ausführlichen Diminutionsanleitungen. Das für die Flöten heißt: „La Fontegara – Schule des kunstvollen Flötenspiels….“ und ist nach wie vor eine bedeutende Unterlage zum historisch bewussten Musizieren. (Heute überall erhältlich). Besonders spannend: Neben den „etablierten“ Artikulationssilben „Te“, „Le“  und „Re“erwähnt er auch „Cha“ (spr.: ka) – somit also nicht mit der Spitze, sondern der Wurzel der Zunge.
Seine Flötengrifftabelle lässt darauf schließen, dass er deutlich über zwei Oktaven spielte, dazu allerdings Griffe benutzte, die auf unseren barocken Nachbauten nicht funktionieren. Der australische Flötenbauer Fred Morgan (vor wenigen Jahren verstorben) begann als erster mit der Nachkonstruktion einer solchen Flöte. Es gibt sie mittlerweile von vielen Flötenbauern als Sopran in C und Alt in G (tiefster Ton also nicht F!), oft auch in histortischen Stimmtonhöhen wie 460 hz

Ganassi Altblockflöte in G liegt auf noten von Dowland

Mein neuer G – Alt auf einem Blatt aus Dowlands praktikablem Notenbuch *)

Ganassiflöten klingen weich, warm und rund. Gerade den Altflöten in G bekommt die kürzere Mensur offenbar so richtig gut und ich finde, dass sie ganz besonders schön „singen“. Dafür lohnt sich die Mühe, sich die neuen Griffe draufzuschaffen. Meine sehr vereinfachte Grifftabelle zum Einstieg – mit einer Grundtonleiter und jeweils nur einem einzigen Griffvorschlag pro Note –  steht hier auf dem Blog bei den Grifftabellen. Intonieren kann man dann selbst – und ausführlichere gibts massenhaft im Netz.

Meine herrliche neue G – Altflöte, gebaut von Ralf Netsch und natürlich in Stockstadt gekauft – liegt auf dem Foto auf einem Abdruck eines Notenblatts von John Dowland. Der Mann dachte praktisch: Einzelstimmenblätter waren nicht nötig, denn die Consortspieler saßen im Kreis um einen runden Tisch, das Buch lag in der Mitte und jeder fand seine Stimme in bester Lage vor. Man sieht die fünf Melodiestimmen und die Lautentabulatur.

*) Dank an Johannes Bornmann für den Abdruck des Notenblatts in Heft MVB 112!

 

Stockstadt 2017 – der geliebte Imbiss

„Bauernimbiss“ für Musiker wieder da! Der seit zig Jahren gewohnte, von Stockstädter Bauern für uns spinnerte bunte Vögel liebevollst  eingerichtete Imbiss  war wieder da!! Juchhuh! Berühmte Größen wie unbekannte Spieler mampfen unterm Turnhallendach zufrieden still oder angeregt gesprächig ihre Würstchen und trinken „Gespritzten“ (oder Kaffee und Kuchen). Ja, so muss es sein!
Auch der Sound in der Halle erfüllte wieder die Erwartungen, wie man im Video hören kann. Hier zum Einstieg mal die großen rechteckigen Paetzoldbässe, die sich ständig weiterentwickeln. Im EBO (mehr hier auf der Seite) spielen wir sie natürlich auch seit 10 Jahren:

Über Neuigkeiten am Flötenhimmel, sowie über meine „Neulinge“ (bin begeistert!) schreibe ich nach Ende des Festivals hier auf die Seite.

Gemshörnchen

Gemshorn, spaßig dekoriert auf Teller mit Butter und Tomaten

Quasi Butterhörnchen (Alt – Gemshorn in F an Tomate und Petersilie)

Ob es sich nun um ein historisches Instrument handelt oder nicht, und ob es nun aus Kuh-, Ziegen oder Gemshörnern (dies ganz sicher nicht!) gebaut wird – fest steht:
Es klingt so weich, milchig, lieblich, wie kein anderes Instrument!

In einem Konzert mit Renaissancemusik  hörte ich Gemshörner zum ersten Mal. Als Sängerin in einem kleinen Ensemble stand ich witzigerweise mit auf der Bühne – aber hatte mit so einer Überraschung absolut nicht gerechnet: Die Instrumentalisten spielten ihre Ritornell zwischenrein auf diesen Hörnchen.
Ihr Klang hat mich sofort derart gerührt und begeistert, dass ich bald darauf ein eigenes Quartett anschaffen  m u s s t e.
Mittlerweile hat sich sogar noch ein Sopranino – Hörnchen dazu gesellen dürfen – da es gar so niedlich piepste.

gemshornquintett, instrumente auf Drahtgitter plaziert

Meine Gemshörner Sno-S-A-T-B

Bis zum ersten Auftritt braucht es allerdings für Laien wie Profis etwas Geduld und viel Einfühlungsvermögen: Die Natur formte schließlich jedes Instrument individuell. Beim ersten vierstimmigen Akkord kann es auch bei sorgfältig gebauten Instrumenten schon mal ganz schön schräg klingen – und dann geht die Arbeit los. Griffe müssen angepasst werden, evtl. benötigt man für die ein oder andere Tonart auch mal ein Stück Tesa auf dem Griffloch.
Hat jede/r dann Sicherheit für die Intonation seines Hörnchens entwickelt, und es tönt schön sauber, wird man vom Ergebnis allerdings wirklich reich belohnt. Es macht auch richtig Spaß, diesen kleinen krummen Hörnchen „gepflegte“ Musik zu entlocken.

Die Instrumente sind wie Blockflöten in C bzw. F gestimmt. Spielen kann man alles, was in den Tonumfang einer Oktave plus 1 Ton passt, überblasen geht nicht.  Darauf muss man achten, wenn man z.B. Renaissancemusik passend machen möchte.
Zum Glück gibt es auch spielfertige Musiksätze, hier sogar gratis  zum Downloaden. Witzige moderne Stücklein hat z.B. auch  A. Rosenheck komponiert: Music Box (Ursus Verlag).
Sehr viel mehr über Hörnchen und Noten erfährt man auf der Seite des Hörnchenbauers Rainer Schwarze

A. Rusbridger, :Play it again:

Wie schafft es ein Buch über die Leidenschaft, Klavier zu spielen, in meinen Blog?
Während des Lesens kämpfte ich zunächst mit recht ambivalenten Gefühlen zu diesem Werk. Aber sehr bald bemerkte ich, wie Impulse aus diesem Buch zu wirken begannen: Zu meiner eigenen Überraschung erlebte ich mich im Unterricht immer wieder diesen Herrn Rusbridger zitierend, wenn es um den Umgang mit Zeitmangel und Übemotivation ging. Und: Die Wiederentdeckung der eigenen musikalischen Detailverliebtheit stachelte auch  m e i n e  Übelust wieder an. Von daher: Jedem musizierenden Menschen zur Lektüre empfohlen (vielleicht gleich gemeinsam mit dem inneren Schweinehund)!

Alan Rusbridger war bis Mai 2015 Chefredakteur des Guardian und ist seitdem in weitergehenden Funktionen unterwegs.  Er schildert im Buch sein Bemühen um die Chopin – Ballade in g-moll absolut gleichgewichtig wie seine journalistische Tätigkeit inmitten von Enthüllungsskandalen, Treffen mit Julian Assange u.a. Auch die Noten – samt Eintragungen von ihm und seinen verschiedenen (!) teils berühmten Lehrern – sind abgedruckt.

Alan Rusbridger, :Play it again:, Ein Jahr zwischen Noten und Nachrichten, erschienen im Secession Verlag, Zürich 2013, Rezensionen u. a. hier: http://www.secession-verlag.com/content/play-it-again

 

Ich spiele jetzt Blockflöte! Zum Einstieg (2)

Post für alle Flöteneinsteiger

Bunte Flöten MusiCeum

Bunte Sopranblockflöten aus Holz

Du beginnst deinen Weg in die Musik also auf dieser kleinen Flöte. Herzlich willkommen!  Auf Blockflöten klingt die kunstvolle Musik früherer Jahrhunderte besonders toll – oder auch die ganz neue, die täglich für uns geschrieben wird und oft sehr spannend oder ein bißchen verrückt klingt. Bald kannst du schon selbst Lieder über Tiere, den Sonnenschein oder den Mond spielen. Wenn du etwas älter bist und es dann richtig gut kannst, könntest du auch in einem Quartett (zu viert also) oder in einem Blockflötenorchester mitspielen.
Damit du gleich einmal etwas anschauen und hören kannst, habe ich hier ein paar Links zu youtube videos mit berühmten Blockflötenspieler/innen ausgesucht, (draufklicken!): Dorothee Oberlinger mit Orchester, Flanders Recorder Quartett, Quartett New Generation,  „Wildes Holz“ und  Quinta Essentia.

Ensemble Saltarello u Paetzold Bässe

Ensemble Saltarello Erlangen auf Bass- bis Subbassblockflöten (MusiCeum)

In Ensembles spielen wir Blockflöten in allen Größen, manche sind so groß wie ein Erwachsener und klingen ganz tief, wie ein Kontrabass. In diesem Blog kannst du dir Fotos davon ansehen, wenn du oben in der Leiste auf das Kapitel vom Erlanger Blockflötenorchester klickst.
Wieso eigentlich B L O C K Flöte?
Blockflöte nennt man sie, weil ihr Kopf immer aus zwei verschiedenen Hölzern gebaut ist: Der Korpus ist vielleicht aus gut klingendem Ahorn, aus Birnbaum oder Buchsbaum, manchmal auch aus Ebenholz – und innen steckt ein Block aus Zedernholz. Dieses Holz quillt nicht so auf, wenn man es beim Spielen stundenlang mit Feuchtigkeit überzieht. Sonst würde bald gar keine Luft mehr durch den kleinen Ritz, den Windkanal, durchgehen.
Und Plastikflöten? Bei Flöten, die komplett aus Plastik sind, ist so ein Block natürlich nicht nötig. Da Plastik aber nun gar keine Feuchtigkeit aufnimmt, läuft die dann auch gern mal zu den Löchern heraus. Einige Plastikflöten haben eine rauhe holzähnliche Oberfläche, damit sie dann nicht so glitschig werden. (z.B. einige Modelle von Yamaha)
Übrigens: Flötenspieler spucken nicht in die Flöte!
Spucke ist wichtig für uns – aber stört beim Flötespielen. Sicher lernst du schnell, dass die Zähne da eine wichtige Grenze sind: die Flöte hältst du zwischen den Lippen, also  v o r  den Zähnen. Die Zunge bleibt im Mund, also  h i n t e r den Zähnen, und berührt die Flöte niemals. Dann gibt es keine „Spuckebrücke“.
Warum die Flöte dann trotzdem etwas nass wird und manchmal sogar verstopft? Hast du schon einmal an einen Spiegel gehaucht? Er wird nass – obwohl du nicht gespuckt hast!

Sopranblockflöten Anne Pape

So viele Sopranflöten – von 10€ bis 1000€

Der Strohhalmtrick: Am schnellsten bekommst du die etwas feucht gewordene Flöte wieder frei, wenn du einmal „rückwärts bläst“, also wie durch einen Strohhalm die Luft kurz und schnell aus der Flöte saugst.
Wichtig: Nie das Fensterchen einer Holzflöte mit dem Zeigefinger zudrücken. An dieser Stelle ist die Flöte super empfindlich!

Auch hier im Blog kannst du dich gern noch etwas umschauen, es gibt viel zu entdecken und anzuhören. Ich freue mich auch über deine Kommentare und beantworte gern Fragen. Viel Erfolg als Flötenspielerin oder als Flötenspieler!         Anne Pape